Dienstag, 5. September 2006 • Nr. 207         (Syker Kurier/Weser-Kurier)
Grober Schotter und steil abfallende Seitenränder: Der Fernradweg in der Syker Westermark wurde Renate Ziegler (Foto) zum Verhängnis. Die Radfahrerin aus Bassum Högenhausen stürzte an dieser Stelle und verletzte sich.      FOTO: UDO MEISSNER

Gefährlicher Radweg: Frau stürzt im Wald

Radfahrerclub spricht von Skandal in der fahrradfreundlichen Stadt / Forstamt weist Verantwortung von sich

Von unserem Redakteur Frank Bagdatopulos

SYKE. Jetzt ist es passiert: Eine Radfahrerin stürzte auf dem zu einem hoch gewölbten Damm aufgeschobenen und mit grobem Schotter befestigten Radfernweg „BahnRadRoute Weser Lippe". Die Frau verletzte sich und musste im Krankenhaus behandelt werden. Für den Radfahrerclub ADFC ein Skandal in der „fahrradfreundlichen Stadt". Stellvertretender Kreischef Holger Opitz: „Man lockt die Radtouristen nach Syke und lässt sie auf die Klappe fallen."

Bereits vor einigen Wochen hatte Opitz öffentlich auf den Missstand hingewiesen und den Weg als unpassierbar für Alltagsradler bezeichnet (wir berichteten). Pech für Renate Ziegler (58) aus Bassum-Högenhau-sen: Sie war zu dieser Zeit im Urlaub. Jetzt befuhr sie den von der Forst umgestalteten Radwanderweg auf der Rückfahrt von einer Einkaufstour nach Syke mit Ehemann Heiner Herholz und Sohn Sören. „Wir wollten mal einen anderen Weg nehmen", erklärt sie. Nachdem sie - vom Wanderparkplatz her kommend - auf dem zunächst geteerten Radweg geradelt war, geriet die Gruppe auf den geschotterten Forstweg mit beidseits steil abfallenden Rändern.

„Ich bin ganz langsam gefahren", erzählt Renate Ziegler, "denn man fährt dort in einen dunklen Wald hinein." Doch bereits nach 20 Metern finden die breiten Stollenreifen ihres Mountainbikes auf dem groben und lockeren Schotter keinen Halt mehr. „Ich stürzte schwer auf meine linke Körperseite und verletzte mich", gibt die Bassumerin später bei der Syker Polizei zu Protokoll. Zahlreiche schmerzhafte Prellungen sowie Schürfwunden am linken Arm und Bein werden ihr im Krankenhaus Bassum attestiert.

Dazu ein Schleudertrauma im Halswirbelbereich. Ihren außerdem erlittenen Sachschaden in Höhe von 700 Euro will die Frau, die sich als erfahrene Radfahrerin bezeichnet, nun vom zuständigen Forstamt Ahlhorn ersetzt haben. Noch wichtiger aber sei es ihr, auf den gefährlichen Weg hinzuweisen. „Da kann keiner mehr lang fahren oder spazieren gehen."

Die Gefahr ist auch den Verantwortlichen von der Forst durchaus bewusst, wie stellvertretender Forstamtsleiter Ulrich Zeigermann einräumt. Nach seiner Einschätzung sei die Rechtslage jedoch eindeutig geregelt. „Für den Wald gilt gemäß Landeswald- und Landschaftsgesetz: Betreten auf eigene Gefahr." Der Weg habe sich in einem schlechten Zustand befunden und sei Anfang Juli aufgeschoben und neu befestigt worden, um weiterhin für die Holzabfuhr nutzbar zu sein, berichtet Forstamtssprecher Lutz Petershagen. Das gerundete Profil sei dabei durchaus gewünscht, damit Regenwasser seitlich ablaufen könne. Allerdings sei ein geplanter weiterer Walzeneinsatz zur Verfestigung der Oberfläche bislang wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse und anderer Widrigkeiten nicht möglich gewesen. „Wir sind da dran", sagt Zeigermann, der weitere Absicherungsmaßnahmen für unnötig hält. „Mit der Radwegbeschilderung haben wir auch nichts zu tun." Vermittelnd tätig werden will aber nun der um Sykes Ruf als fahrradfreundliche Kommune besorgte Bürgermeister Harald Behrens. Hinweisschilder hält er für ungeeignet. „Ich werde aber den Förster anrufen und klären ob der städtische Bauhof im Rahmen der Behördenhilfe da etwas tun kann." Nach Einschätzung des ADFC ist der Weg insbesondere für den Nahtourismus wichtig. Opitz: „Er bietet die einzige Brücke über die Bahntrasse weit und breit."