Selten gerädert, immer gut drauf
Fünf Fahrradfreunde unterwegs auf der "Baltic-Tour" durch Litauen und Lettland
Zwiebeltürme im lettischen Daugavpils zählen zu den Sehenswürdigkeiten. Foto: Willi Dekarz
Rainer Luitjens (von links), Rolf Kasper, Christian Lassek, Harald Stahl und Willi Dekarz waren zum ersten, aber nicht zum letzten mal gemeinsam auf Tour, das steht fest. Foto: Justus Randt
Weyhe/Stuhr. Fünf Männer im gesetzten Alter, der Senior ist 69, der Benjamin zehn Jahre jünger, wollten es wissen: Getrieben von sportlichem Ehrgeiz, Reiselust und Neugier ist die Radfahrer-Riege 1150 Kilometer weit in Litauen und Lettland rumgekommen. Unterwegs landete das Quintett im Stundenhotel, beim Psychiater und im Sanatorium. So kann’s kommen, ließe sich denken. Aber das war noch längst nicht alles.
Die Sache mit dem Stundenhotel in Ogre, kurz vor Riga, war natürlich Zufall und ganz harmlos. Wie manches Mal auf ihrer zweieinhalbwöchigen Tour hatten die Radler nicht gerade die freie Wahl, was ihre Unterkünfte anging. Das galt auch für die Verkehrsmittel - in den seltenen Fällen, in denen es auf zwei Rädern nicht weiter ging: "Wir waren gewarnt worden, dass eine Zugfahrt ein unabsehbares Abenteuer sein würde, aber wir fanden’s toll", erzählt Rolf Kasper über die letzte Etappe, die in die lettische Metropole führte.
Ganz zu Anfang der Reise hatte eine Kajütboot-Passage durch das aufgewühlte 20 Kilometer breite Kurische Haff gestanden, nachdem die Route die Nehrung entlang geführt hatte. Mit Glück fanden die Radreisenden einen privaten Skipper, der sie übersetzte. Schon auf zwei Rädern war der starke Wind alles andere als angenehm gewesen. "Die Fahrt dauert zwei Stunden", Christian Lassek hatte sofort zur Tablette gegen Seekrankheit gegriffen und sich des alten Tricks erinnert: An Deck bleiben und den Blick starr auf das einzig Unbewegliche richten: die Horizontlinie. Willi Dekarz sicherte derweil "das rumfliegende Gepäck". Für Kasper war "die Rollbewegung bei seitlichen Wellen das Schlimmste".
"Der Einstieg war hart", da ist sich das "Baltic-Tour"-Team einig. Diese Reise war der Auftakt zu einer Serie von insgesamt fünf Touren "zu den neuen EU-Partnern und Nachbarn im Osten". Bis 2006 sollen Tschechien, die Slowakei, Slowenien,Ungarn, Rumänien und Bulgarien erradelt und das Schwarze Meer über den Donau-Radweg erreicht sein. Die erste Reise verlief ausgesprochen glücklich: "Wir hatten nicht eine Panne, keinen Sturz. Gute Räder sind eben unerlässlich."
Die Unterkunft bei einem Psychiater ging auf den Tipp zweier Hamburger zurück, "sonst haben wir kaum Radfahrer getroffen". Ähnlich lief’s mit dem Sanatorium. Überall wo die Gegebenheiten weniger einladend und die besseren Bettstellen rar waren, griff die Gruppe zum Würfel, "das war ein unheimlich wichtiges Instrument". Ob es Streit gab? "Wir haben es immer vermieden, in einen Tag hinein zu radeln, der noch mit Problemen von gestern beladen war."
Ein ausführlicher Reisebericht soll demnächst auf der Homepage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs zu finden sein: www.adfc-weyhe.de