Mittwoch, 21. Januar 2004 • Nr. 17          (Regionale Rundschau/Weser-Kurier)

Nachtrag 2009: Seit 1.9.2009 gilt die grundsätzliche Schrittgeschwindigkeit auf Gehwegen NICHT mehr

Radweg jetzt Balancierpfad für Drahtesel

Genau genommen gilt entlang der Leester Hauptstraße Schrittgeschwindigkeit für Zweiräder

Lediglich unserem Fotografen ist der Radler vor die Linse gekommen - in das Visier der Schutzmänner wird er wohl nicht geraten.             Foto: Udo Meissner

 

Von unserer Redakteurin
Christina Denker

   Weyhe-Leeste. Manches, was in den Arbeitsstuben der Behörden ausgebrütet wird, liefert Steilvorlagen für einen lauthals wiehernden Amtsschimmel. Mehr als komisch: Der Radweg entlang der Hauptstraße in Leeste ist von einem kombinierten Fuß-/ Radweg in einen Gehweg mit „Fahrrad frei"- Gebot umgewandelt worden. Seitdem gilt Schrittgeschwindigkeit auf der schmalen Piste - ja, damit ist in der Tat der gewöhnliche Fahrradfahrer gemeint. Eine von der Gemeinde angeordnete Maßnahme, die gesetztestreue Pedalritter glatt vom Glauben fallen beziehungsweise vom Fahrrad plumpsen lassen könnte. Es sei denn, die Drahtesel würden vorsorglich mit Stützrädern nachgerüstet.

„Nebenwirkung Schritttempo"
Doch nun zum Hintergrund: Eben jener Radweg, eines der Sorgenkinder der Weyher Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, sei zu schmal und innerhalb der baulichen Gestaltung voller Ecken und Kanten, so Holger Opitz. Der Velo-Fan ist nicht nur Mitglied der Radlervereinigung, sondern auch in der hiesigen Agenda-Gruppe „Verkehr" aktiv. „Als so genannter echter Radweg nicht haltbar", war sich die Radler-Lobby einig und begehrte eine entsprechende behördliche Anordnung, die Radler von der schmalen Piste auf die Hauptstraße bringen sollte. Dieses Ansinnen wurde im Rathaus umgesetzt - mit eben jener „Nebenwirkung" eines Schritttempo-Gebots. Die gültige Rechtslage, so Opitz, besage nämlich, dass unter Vernachlässigung des Gebots bei Unfällen (etwa Zusammenstoöße von aus Grundstückseinfahrten kommenden Autos mit Velo-Fahrern) auch der Radler mit zur Verantwortung gezogen werden könnte.
Wer weiß - warten auf die Leester Schutzmänner in Zusammenhang mit den regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen künftig neue Aufgaben? Spaß beiseite - diese Zusatzarbeiten können sich die Cops sicherlich kaum vorstellen. Aber tatsächlich: Ein kurzer Blick in die aktuelle Straßenverkehrsordnung belegt schwarz auf weiß: Auf Gehwegen, die mit dem Hinweisschild „Fahrrad frei" versehen sind, haben jetzt nicht mehr Drahtesel, sondern nur noch Schnecken etwas zu suchen. „Ich möchte behaupten, davon weiß kein Bürger was", meinte gestern einer der Diensttuenden auf dem Polizeikommissariat merklich amüsiert.